Juni 2021

Salzfälscher am Werk

Gefälschte Produkte sind nicht erst ein Problem der heutigen Zeit. Schon im Mittelalter bereiteten sie den Lüneburgern großes Kopfzerbrechen und wirtschaftliche Not.

Ab 1370 bekam das Lüneburger Salz eine übermächtige Konkurrenz aus dem Süden. Das Meersalz von der Atlantikküste und aus dem Mittelmeerraum verdrängte zunehmend das Lüneburger Salz aus seinen Absatzgebieten.
Das Meersalz wurde nach einem seiner Hauptproduktionsorte an der Bay de Borgneuf an der französischen Atlantikküste als „Bayensalz“ bezeichnet. Die ursprüngliche Qualität dieses Salzes war schlecht. Niederländische Kaufleute erfanden jedoch eine Methode, seine Qualität zu verbessern. Das Salz wurde in Meerwasser aufgelöst und die Sole nochmals zu Salz gekocht. Das „Salz vom Salze“ oder Raffinadesalz stand dem Lüneburger Salz an Qualität kaum nach. Da es erheblich billiger war als das Lüneburger Siedesalz verdrängte es das Lüneburger Produkt fast gänzlich vom Ostseemarkt. Im 17. Jahrhundert hatte Lüneburg hier nur noch weniger als 20% seines alten Handelsanteiles von bis zu 15.000 t Salz im Jahr.

Nicht nur die Niederländer stellten das Raffinadesalz her. Auch in norddeutschen Hafenstädten wie Hamburg, Lübeck und Emden entstanden immer wieder kleine Salzsiedereien. Häufig versuchten die Niederländer und die Inhaber der deutschen Raffinadesalz-Siedereien ihr Produkt als Lüneburger Salz zu verkaufen. Zu diesem Zweck kauften sie Lüneburger Salztonnen oder ließen sie nachbauen. In diese Tonnen füllten sie ihr Salz und brachten es als Lüneburger Salz zu Lüneburger Preisen in den Handel. Die Lüneburger wehrten sich. Sie beschwerten sich bei den Räten der betreffenden Städte. Diese erließen Verbote, das Raffinadesalz weiter in Lüneburger Tonnen zu verkaufen. Doch mit wenig Erfolg, da die betreffenden Städte kein Interesse an der Durchsetzung hatten. Selbst kaiserliche Mandate, welche die Lüneburger im 16. und 17. Jahrhundert erwirkten, zeigten nur kurze Wirkung – das Fälschen ging weiter.
 
Foto: "Bestätigung des Mandates Rudolfs II. durch Kaiser Ferdinand II. von 1624. Der Stadt Hamburg und ihren Einwohnern wird bei Strafe verboten, Bayensalz durch erneutes Sieden zu verbessern und in Lüneburger Salztonnen als Lüneburger Salz zu verkaufen."

 

 

Mai 2021

Salzstreuer - Die Pflanze als Erfinder

 

Salz war lange Zeit bei Tisch nur schlecht streufähig, da es die Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufzunehmen.

Vor der Erfindung des Salzstreuers wurde Salz bei Tisch in offenen Gefäßen aufbewahrt. Darin konnte auch feuchtes, verklumptes Salz mit kleinen Löffeln oder den Fingern aufgebrochen und portioniert werden.
Verschiedene Erfinder versuchten das Problem zu lösen. Sie erdachten diverse Mechanismen die Salzklumpen in Streugefäßen aufzubrechen oder das Verklumpen gar von vornherein zu verhindern. Die bahnbrechende Idee entwickelte 1911 der amerikanische Salzhersteller Morton-Salt. Er setzte dem Salz Trennmittel zu und sicherte damit seine Rieselfähigkeit. Die weite Verbreitung von Salzstreuern nahm ihren Anfang.
 Einen speziellen Salzstreuer ließ sich 1919 der deutsche Wissenschaftler Raoul Heinrich Francé patentieren. Als Vorbild diente ihm eine getrocknete Mohnkapsel, die ihren Samen durch kleine Löcher nach außen verteilt. „Ich zeichnete einen Streuer für Salz, für Puder und sonst medizinische Zwecke nach dem Modell der Mohnkapsel und meldete das als Erfindung zum Musterschutz an.“
Es war das erste deutsche Patent einer bionischen Erfindung.
Francés Irrtum: Die Mohnkapsel ist auf die großflächige Streuung ihrer Samen angelegt. Mit einem Salzstreuer soll das Salz dagegen zielgenau auf dem Frühstücksei und nicht breit verstreut auf dem Tisch angekommen.
Die Öffnungen mussten also auf die Oberfläche des Salzstreuers verlegt werden.

 

 

April 2021

„Wegen der vorzüglichen Heilkraft seiner Solequellen…“

Es war der Wille der Lüneburger Salinen-Direktion, angesichts der schwachen Auslastung seines Salzwerkes, einen lukrativen Nebenbetrieb zu eröffnen. Und so stellte die Salinen-Direktion 1814 in einem einfachen Stallgebäude auf dem Salinenhof zwei Holzwannen zu Badezwecken auf. Lüneburgs Geburtsstunde als Solebad schlug. Die Lüneburger folgten einer allgemeinen Entwicklung der deutschen Salinenorte, ihre Solequellen auch medizinisch zu nutzen.
Der Betrieb arbeitete erfolgreich, wenngleich der Salinen-Direktor doch eingestehen musste, „dass die bisherige Anlage höchst unvollkommen und (…) von allen Bequemlichkeiten entblößt eingerichtet war“. Auswärtige Badegäste nahmen das Angebot kaum an. Die Herren aus dem Salz gaben nicht auf. 1820 wurde nach langwierigen Verhandlungen der Salinen-Direktion mit der Stadt auf dem heutigen Avacon-Gelände Ecke Sülztor-/Lindenstraße das erste Lüneburger Badehaus errichtet. Doch auch jetzt folgte auf den Fortschritt die schnelle Ernüchterung: Der erwartete Andrang der Badegäste, besonders der auswärtigen, blieb aus. In den folgenden Jahren wurden nicht mehr als 100 Kurgäste pro Saison registriert. Das Solbad blieb weiterhin nur von örtlicher Bedeutung.
Erst Ende des 19.Jahrhunderts trat ein deutlicher Umschwung ein. Er ist verbunden mit der Person des Bergrats Otto Sachse aus Clausthal, den die Stadt 1897 als neuen Salinen-Direktor verpflichtete. Sachse, auch als „Mann im Salz“ tituliert, erkannte das wirtschaftliche Potenzial des Badebetriebes. Ihm gelang sehr bald eine kräftige Belebung des Solbades. Doch der Erfolg stellte den Betrieb vor ein neues Problem: Das in die Jahre gekommene Badehaus stieß räumlich an seine Grenzen…
…Und so begann ein neues Zeitalter in der Lüneburger Badegeschichte, dessen Ergebnis wir alle kennen: Am 30.Juni 1907 wird im Süden außerhalb der Stadt vor dem ehemaligen Sülztor ein Kurpark eröffnet. Es ist ein Meilenstein in der heute 200jährigen Geschichte des Lüneburger Sole-Badens. Nicht immer verlief der Badebetrieb zur Zufriedenheit seiner Betreiber. Zwei Weltkriege, Gesundheitsreformen, die Konkurrenz durch andere Badeorte oder der Konkurs einer Baufirma warfen einen langen Schatten auf die Lüneburger Kureinrichtungen.
Auch die Saline wurde von der Wirklichkeit eingeholt. Was zu Beginn des 19.Jahrhunderts als Nebenbetrieb des Lüneburger Salzwerkes gedacht war, blieb als einziger Bereich des ehemaligen Großbetriebes bis heute bestehen. Nachdem die Feuer unter den großen Siedepfannen 1980 für immer gelöscht wurden, wird die Sole in Lüneburg jetzt nur noch zu Bade- und Therapiezwecken genutzt.

 

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