Juli 2021

Mit Salz bezahlen

Salz war und ist nicht nur ein wichtiges Lebensmittel- und Konservierungsmittel, sondern auch ein geldwertes Zahlungsmittel.
1844 berichtete der deutsche Afrikaforscher Gustav Nachtigall aus Abessinien, dem heutigen Äthiopien, von einem Verkauf von zwei Sklaven für zwanzig Salzstücke.
Das Deutsche Salzmuseum besitzt mehrere dieser mittlerweile seltenen Salzstücke, die außer in Äthiopien auch in anderen zentralafrikanischen Gebieten bekannt sind. In Äthiopien werden diese Salzstücke „Amole“ genannt, sie dienen auch heute noch als Tauschmittel auf den lokalen Märkten.
Beachtlich ist ein Stück, welches das Museum von einem Hamburger Händler erwerben konnte. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde eine Schweizer Diplomatenfamilie nach Addis Abbeba versetzt. Um sich den Landessitten anzupassen und auf den dortigen Märkten einkaufen zu können, versorgten sich die Diplomaten mit Amole-Salzstücken. Wohin nun mit dem „Geld“? In London wurde ein spezielles Lederköfferchen für sie angefertigt, um fortan als „Portemonnaie“ für das Salzgeld zu dienen.
Das Geld wiegt schwer. Ein Amole-Salzbarren wiegt um die 900 Gramm und misst etwa 30 x 5 x 3 Zentimeter.

 

 

Juni 2021

Salzfälscher am Werk

Gefälschte Produkte sind nicht erst ein Problem der heutigen Zeit. Schon im Mittelalter bereiteten sie den Lüneburgern großes Kopfzerbrechen und wirtschaftliche Not.

Ab 1370 bekam das Lüneburger Salz eine übermächtige Konkurrenz aus dem Süden. Das Meersalz von der Atlantikküste und aus dem Mittelmeerraum verdrängte zunehmend das Lüneburger Salz aus seinen Absatzgebieten.
Das Meersalz wurde nach einem seiner Hauptproduktionsorte an der Bay de Borgneuf an der französischen Atlantikküste als „Bayensalz“ bezeichnet. Die ursprüngliche Qualität dieses Salzes war schlecht. Niederländische Kaufleute erfanden jedoch eine Methode, seine Qualität zu verbessern. Das Salz wurde in Meerwasser aufgelöst und die Sole nochmals zu Salz gekocht. Das „Salz vom Salze“ oder Raffinadesalz stand dem Lüneburger Salz an Qualität kaum nach. Da es erheblich billiger war als das Lüneburger Siedesalz verdrängte es das Lüneburger Produkt fast gänzlich vom Ostseemarkt. Im 17. Jahrhundert hatte Lüneburg hier nur noch weniger als 20% seines alten Handelsanteiles von bis zu 15.000 t Salz im Jahr.

Nicht nur die Niederländer stellten das Raffinadesalz her. Auch in norddeutschen Hafenstädten wie Hamburg, Lübeck und Emden entstanden immer wieder kleine Salzsiedereien. Häufig versuchten die Niederländer und die Inhaber der deutschen Raffinadesalz-Siedereien ihr Produkt als Lüneburger Salz zu verkaufen. Zu diesem Zweck kauften sie Lüneburger Salztonnen oder ließen sie nachbauen. In diese Tonnen füllten sie ihr Salz und brachten es als Lüneburger Salz zu Lüneburger Preisen in den Handel. Die Lüneburger wehrten sich. Sie beschwerten sich bei den Räten der betreffenden Städte. Diese erließen Verbote, das Raffinadesalz weiter in Lüneburger Tonnen zu verkaufen. Doch mit wenig Erfolg, da die betreffenden Städte kein Interesse an der Durchsetzung hatten. Selbst kaiserliche Mandate, welche die Lüneburger im 16. und 17. Jahrhundert erwirkten, zeigten nur kurze Wirkung – das Fälschen ging weiter.
 
Foto: "Bestätigung des Mandates Rudolfs II. durch Kaiser Ferdinand II. von 1624. Der Stadt Hamburg und ihren Einwohnern wird bei Strafe verboten, Bayensalz durch erneutes Sieden zu verbessern und in Lüneburger Salztonnen als Lüneburger Salz zu verkaufen."

 

 

Mai 2021

Salzstreuer - Die Pflanze als Erfinder

 

Salz war lange Zeit bei Tisch nur schlecht streufähig, da es die Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufzunehmen.

Vor der Erfindung des Salzstreuers wurde Salz bei Tisch in offenen Gefäßen aufbewahrt. Darin konnte auch feuchtes, verklumptes Salz mit kleinen Löffeln oder den Fingern aufgebrochen und portioniert werden.
Verschiedene Erfinder versuchten das Problem zu lösen. Sie erdachten diverse Mechanismen die Salzklumpen in Streugefäßen aufzubrechen oder das Verklumpen gar von vornherein zu verhindern. Die bahnbrechende Idee entwickelte 1911 der amerikanische Salzhersteller Morton-Salt. Er setzte dem Salz Trennmittel zu und sicherte damit seine Rieselfähigkeit. Die weite Verbreitung von Salzstreuern nahm ihren Anfang.
 Einen speziellen Salzstreuer ließ sich 1919 der deutsche Wissenschaftler Raoul Heinrich Francé patentieren. Als Vorbild diente ihm eine getrocknete Mohnkapsel, die ihren Samen durch kleine Löcher nach außen verteilt. „Ich zeichnete einen Streuer für Salz, für Puder und sonst medizinische Zwecke nach dem Modell der Mohnkapsel und meldete das als Erfindung zum Musterschutz an.“
Es war das erste deutsche Patent einer bionischen Erfindung.
Francés Irrtum: Die Mohnkapsel ist auf die großflächige Streuung ihrer Samen angelegt. Mit einem Salzstreuer soll das Salz dagegen zielgenau auf dem Frühstücksei und nicht breit verstreut auf dem Tisch angekommen.
Die Öffnungen mussten also auf die Oberfläche des Salzstreuers verlegt werden.

 

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